#berlin

So nah kam er selten, der Schrecken. Wenige Kilometer von unserem Zuhause entfernt starben Menschen. Der Freund läuft jeden Tag mehrmals über diesen Platz. Ich saß mit dem Minimann vor einigen Tagen in einer der Buden, die nun zerstört sind. Ein lieber Freund war kurze Zeit unerreichbar und es war nicht sicher, ob er er auf dem Weihnachtsmarktplatz war. Viele Fragen sind noch offen. Einige lassen sich, auch mit Hilfe der sozialen Netzwerke schnell beantworten: Unsere Familien und Freunde sind sicher. Meine Gedanken gelten den Familien, die einen geliebten Menschen verloren haben. Den Helfern vor Ort, die Schreckliches gesehen haben. Den Budenbesitzern, die dort waren, um zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Den Menschen, die dort waren um sich auf das bevorstehende Fest zu freuen. Es ist Angst und Trauer, die sich über die Stadt, über uns alle legen.

Und die Fragen: Wie wollen wir nun mit dem Schrecken, vor dem wir uns bisher so sicher fühlten, leben? Wie sprechen wir mit unseren Kindern über das Unaussprechliche?

Gestern, um 15.00 Uhr waren die Kinder und ich gerade im Bus auf dem Weg nach Hause. Es wurde eine Schweigeminute durch die BVG angeordnet. Alle Busse blieben stehen und unser, sehr junger Busfahrer versuchte die richtigen Worten zu finden, die es nicht gibt. Der Bus war voller Kinder, die einen aufregenden und vollen Tag im Kindergarten hinter sich hatten. Aber alle spürten die Trauer, die Anteilnahme. Es war erstaunlich ruhig. Wir hatten morgens noch keine Gelegenheit gehabt mit dem Mädchen über die Geschehnisse zu sprechen und so erklärte ich ihr nur kurz flüsternd, das wir alle kurz ganz leise sind und an Menschen denken, die gestern gestorben sind. Richtiger wäre „getötet“ gewesen. Und wieder: Wie sage ich das einem dreijährigen Kind. Meinem Kind. Wie erkläre ich ihr nun die Wellen des Hasses und der Hetze, die von rechts rüber schwappen. Ja, wie? Im Bus sah sie mich mit großen Augen an und schwieg und hielt meine Hand. Eine ältere Dame im Bus begann zu weinen und, die ihr völlig fremde Sitznachbarin griff nach ihrer Hand. Stille. 

Als wir den Bus verließen hatte unser fast vierjähriges Mädchen Millionen Fragen. Und ich beantwortete sie. Beantwortete das Was, Wie und Wo. Doch ihre drängendste Frage war das Warum. Diese Antwort musste ich ihr schuldig bleiben. 

Und so nahm ich meine Kinder noch fester als sonst in die Arme. Pustete geduldiger auf kleine Beule, die beim hundertsten Hüpfen vom Tisch auf das Sofa entstanden. Ließ unwichtige Dinge stehen, setzte mich zu meinen Kindern auf den Boden und war einfach da. Hielt kleine Hände beim Einschlafen und flüsterte auch noch eine weitere Gutenachtgeschichte in kleine Ohren. 

Und dabei dachte ich so oft: Liebe diese zwei kleinen Menschen. Liebe diese Familie. Vielleicht kann das eine Antwort auf diese Welt sein.

Passt auf euch und eure Lieben auf!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s