Was Kranksein mit Achtsamkeit zu tun hat. 

Hier ist der Notstand ausgebrochen: Alle, bis auf der Freund, sind krank. Im Zusammemleben mit Kindern gibt es ja drei Stufen des Ausnahmezustands: 

Stufe 1: Ein Kind ist krank, alle anderen gesund. Die Versorgung der Familie ist gewährleistet. 

Stufe 2: Beide (oder alle) Kinder sind krank, die Eltern gesund. Die Versorgung ist gewährleistet. Erste Müdigkeitserscheinungen werden deutlich, da beide Elternteile neben der alltäglichen Arbeit mit dem Halten von Schüsseln, dem Ranreichen von Teetassen und dem Streicheln von heißen Kinderstirnen beschäftigt sind. 

Stufe 3: Alle. Ja, alle sind krank. Der eine niest, hustet oder spuckt den anderen an, Taschentücher gehen aus, der Kühlschrank ist leer, der Wäschekorb voll. Hier hilft nur: Lieferservice/Oma/Opa/Freunde anrufen, Hilfen mobilisieren und irgendwie die Zeit überstehen. 

Stufe 4: Die Kinder sind gesund, die Eltern sind krank. Supergau. 

Meist besteht zwischen diesen Stufen ein fließender Übergang und im Laufe des Winters entwickelt sich eine Art Kreislauf und interaktiver Keimaustausch innerhalb der Familie. Spaßig ist anders. 

Wir befinden uns momentan irgendwo zwischen Stufe 2 und 3. Der Freund kocht, räumt, wäscht, saugt und versorgt uns Schniefnasen und geht dazu noch morgens aus dem Haus und kommt abends nach Hause. Mir bleibt die Pflege der Kinder und der achtsame Umgang mit unserem Kranksein. 

Krank zu sein lässt uns ja auch auf unseren Alltag schauen: Wir werden gezwungen uns zu bremsen, was auch nicht unbedingt schlecht ist. Manchmal laufen wir ja einfach mit im Hamsterrad. Ein heftiger Stopp bringt uns dazu nachzuspüren: Wo muss ich auf die Bremse treten? Was ist gerade zu viel? Was kann ich gerade jetzt bewältigen? Achtsam mit Krankheit und dem Gesund werden umzugehen ist wichtig und hilft uns und unseren Kindern zu heilen. Wir brauchen Zeit, Liebe und Ruhe manchmal mehr als Medikamente oder Arztbesuche (bei ernsthaften Erkrankungen muss natürlich die Hilfe eine Arztes her).  

Hier nun unsere Überlebenshilfen:

1. Ruhe

Kranke Kinder gehören nach Hause. Manchmal ist das schwer umzusetzen, gerade, wenn beide Eltern berufstätig sind, ob angestellt oder selbstständig. In beiden Fällen ist es schlichtweg blöd nicht arbeiten zu können. Dennoch brauchen unsere Kinder eine ruhige Umgebung, um gesund zu werden und sie können natürlich auch nicht einfach in die Kita gehen und da alle anderen Kinder anstecken. Manchmal können die Großeltern oder Freunde einspringen, meist bleibt uns dennoch nichts anderes: Wir bleiben zuhause. 

2. Frische Luft 

Frische Luft tut gut. Mit dem kranken Mädchen und dem schnupfendem Baby unternehme ich meist kurze und ruhige Spaziergänge. Beide warm eingepackt und das Baby in der Trage oder im Tuch, so dass der Schleim besser abfließen kann. Das Mädchen kann schon sehr deutlich sagen, ob es sich fit genug fühlt für eine kurze Runde. Heute war dem noch nicht so und so lüfte ich die Wohnung stoßweise, wenn beide Kinder schlafen und warm eingepackt sind. 

3. Schlaf

Gestern nachmittag bekam ich schon das erste Mal etwas Panik: Das Mädchen schlief um 16 Uhr einfach beim Hörbuch hören ein. So kenne ich mein Kind nicht und mir war klar: Da kommt etwas dickes auf uns zu. Wichtig ist mir dann, sie schlafen zu lassen. Schlaf ist die beste Medizin, hat schon meine Oma gesagt. Meist ist es dabei hilfreich etwas aufrechter zu schlafen. Der Minimann schläft daher meist im Tuch. Das Mädchen mit Kissen im Rücken. Auch hilft ein unter die Matratze geschobener Ordner damit der Schleim im Schlaf besser abfließen kann.

4. Die richtige Kleidung 

Wenn unser Mädchen fiebert, schwitzt sie meist kräftig. Damit sie nicht zu sehr auskühlt, trägt sie Kleidung aus Wolle und Seide und dicke Wollsocken. Im Moment hat sie sogar eine Wollstrickjacke an und liegt mit einem Brustwickel unter meiner Kuscheldecke.

5. Wickel und Co. 

Ich bin ein riesen Fan von Hausmitteln. Neben der Tatsache, das sie meist immer zur Hand sind, schenken sie unseren Kindern Aufmerksameit und vermitteln einen achtsamen Umgang mit Krankheit. Ich erinnere mich sehr gut an meinen liebe Opa und seinen Zwiebelsaft, bestehend aus kleingehackten Zwiebeln und Honig (Achtung: Nicht für Kinder unter einem Jahr!) oder Zucker. Auch das Mädchen mag diesen Saft sehr gern und schlürft mehrmals täglich einen Löffel bei Halsschmerzen. Zwiebeln sind hier in der Erkältungszeit immer zur Hand: Kleinghackt sorgen sie für freie Nasen, im Ofen erwärmt und aufs Ohr gelegt für Linderung bei Ohrenschmerzen und als Brustwickel helfen sie bei Husten. Ehrlicherweise muss ich sagen, das es hier zuhause in der Erkältungszeit echt stinkt. Zwischendurch stelle ich daher manchmal eine Schale mit heißem Wasser und Lavendel auf. Auch ist Thymianbutter ein beliebtes Mittel für die Brust und den Rücken, denn die gängigen Erkältungsbalsame mit Eukalyptus, Campher und  Menthol sind für Babys und Kleinkinder nicht geeignet! 

Sehr empfehlen kann ich das Buch „Wickel und Co.“ Von Ursula Uhlemeyr. 

6. Nähe, Geborgenheit und Liebe. 

Zum Gesunden braucht es Zeit. Und Liebe. Und so lesen wir geliebte Geschichten, schauen gemeinsam Filme, kuscheln, reden und spielen. Zeit ist so ein Luxusgut. Wir sollten es unseren Kindern und uns gönnen, und das nicht nur, wenn wir krank sind. 

7. Ernährung 

Hier gibt es generell recht viel Obst und das Mädchen nimmt sich gern auch im Alltag mal einen Apfel (kennt ihr dieses Phänomen im Zusammenleben mit Kleinkindern, das überall angebissene Äpfel liegen?). Im Krankheitsfall steht aber meist ein fertiger Obstteller mit geschnittenem Obst, Nüssen und Rosinen neben dem Bett oder dem Sofa. Dann gibt es natürlich Suppen und Eintöpfe. Die lassen sich gut vorbereiten und müssen dann Mittags nur erwärmt werden. Das Mädchen trinkt auch gern Tees mit Honig oder auch mal einen heißen Sanddornsaft mit viel Vitamin C. Ichhabe überall Trinkflaschen und Teetassen rumstehen, so dass wir das Trinken nicht vergessen. Das Baby stillt nun natürlich wieder voll und hilft so seinem Immunsystem beim Arbeiten. Daher ist es auch wichtig, das ich genug esse und trinke, was manchmal mit zwei kranken Kindern ganz schön schwierig ist. 

8. Grenzen erkennen

Hausmittel hin oder her, es ist wichtig zu erkennen, wann ein Kind zum Arzt gehört. Und natürlich bin ich auch kein Arzt und oben genannte Tipps sind unsere Überlebensstrategie im Krankenlager. Bei Unsicherheit, bei länger andauerndem Fieber, mit einem fieberndem Säugling oder mit einem Kind, dem es offensichtlich nicht gut geht, sollte der Gang zum Kinderarzt führen. Gerade in der Winterzeit hilft es, zumindest bei unserem Kinderarzt, vorher anzurufen und ein Zeitfenster auszumachen, um sehr lange Wartezeiten zu verhindern. 

Die Erkältungszeit kann auch eine Zeit sein, die uns unseren Kindern wieder näher bringt, eine Zeit der Entschleunigung und Zuwendung. Gönnen wir uns diese Zeit. 

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade „Natürliche Heilmittel“

2 Gedanken zu “Was Kranksein mit Achtsamkeit zu tun hat. 

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