Über Pipikacka Tage. Oder: Warum ich gut genug bin. 

Manchmal gibt es ja so Tage, die sind zum wegschmeißen. Da beginnt der Tag schon mit einem übellaunigen Kleinkind und einem Baby mit Zahnweh und der Kaffee ist auch noch alle. Dann motzt und meckert man sich so durch den Morgen und der Nachmittag wird irgendwie auch nicht besser, da das Baby weiterhin Zahnweh hat und generell den Umstand total bescheuert findet, dass es draußen kühler wird und es etwas mehr als Body und Hose anziehen muss. Das Kleinkind streitet sich auf dem Weg zum Musikkurs permanent mit der besten Freundin, um dann beim nach Hause fahren zu weinen, weil eben diese nicht mit dem Bus, sondern mit dem Auto heim fährt. Ja, bei uns sind gerade die ganz großen Gefühle aktuell und wir fallen von himmelhochjauchzend ohne Zwischstopp in zutodebetrübt. 

Heute Morgen war es dann alles irgendwie entspannter: das Kleinkind schlief mal bis 7 und nicht bis 5.30 Uhr, und das Baby schlief um diese Zeit schon wieder, so dass ich in aller Ruhe das Mädchen und mich anziehen konnte. Aber nach solchen Tagen, wie gestern, bin ich immer in Habachtstellung. Es könnte ja gleich wieder losgehen, das Drama. Aber, welch Wunder, wir waren alle angezogen (ja gut, meine Hose und mein Pullover sind nur zu einem Drittel sauber) und bereit und sogar einigermaßen pünktlich am Bus, um zum Morgenkreis im Kinderladen zu sein. 

Im Bus, puh durchatmen. Und dann erinnert sich das Baby plötzlich daran, dass es ja angezogen wurde und augenblicklich ist dem Minimann zu warm. In Tuch und mit Tragejacke ist rausnehmen, aber mal so eben nicht möglich. Ich bin also die Mutter, die hüpfenderweise durch den Bus tanzt und gleichzeitig ein Gespräch mit dem Mädchen über die Besonderheiten von Styropor führt (bei uns in der Straße ist eine Baustelle und durch den ganzen Bezirk wehen die kleinen weißen Kügelchen). Ich fühle mich wie auf dem Präsentierteller und gleichzeitig wird mir auch wahnsinnig warm und ich möchte jetzt eigentlich auch gern bei jemandem ins Tragetuch schlüpfen und gekuschelt werden. Das muss doch schön sein, denke ich. Nur der Minimann findet das gerade eben jetzt total blöd. Der ganze Bus starrt und es ist alles dabei: Der verständige Blick der Mitmütter, missbilligendes Naserümpfen eines Opis und eine ältere Frau, die feststellt, „Na, der hat bestimmt Hunger.“ 

Und plötzlich ist Ruhe und der Minimann hat sich in den Schlaf gemümmelt. Und da schaut das Mädchen mich an und sagt etwas, das mein Herz kurz stehenbleiben lässt: „Mama, bist du eigentlich die beste Mama auf der ganzen Welt?“ Ich weiß nicht, wo sie diese Worte aufgeschnappt hat oder wie ihr der Gedanke kam, mir fehlen erstmal die Worte. Nach kurzem Luftholen und Tränchen wegschlucken, frage ich: „Wie kommst du darauf?“ – „Na, weil mein Bruder sich bei dir beruhigt hat.“ Und wie so oft, rückt sie alles wieder zurecht, mein kleines Herz. 

Ja, ich bin sicher nicht die beste Mutter der Welt. Für euch beide versuche ich aber jeden Tag gut genug zu sein. Auch, wenn ich müde bin, mir der Rücken und die Füße weh tun und mein Pullover irgendwie nur eine Aneinanderreihung von Spucke- und Milchflecken ist – für euch gebe ich mein bestes. Und manchmal reicht es schon die Person zu sein, bei der ihr zwei alle Gefühle eurer kleinen großen Welt rauslassen könnt. Auch, wenn das bedeutet schwitzend durch einen Berliner Bus zu hüpfen, nur damit das Baby kurz seinen Schmerz vergisst und endlich schlafen kann. 

4 Gedanken zu “Über Pipikacka Tage. Oder: Warum ich gut genug bin. 

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