Was ich nie wieder sagen will…

Manchmal sagen wir Sätze, die wir nicht so meinen, die so dahin gesagt sind. Die den Alltag mit unseren Kindern vermeintlich beschleunigen und optimieren sollen. Bei mir war es der Satz „Los, komm, hör auf zu Träumen.“ Ich erschrak. Hatte ich das gerade wirklich gesagt?

Zur Situation: Es war ein schöner Herbstnachmittag, die Sonne schien. Irgendwie war es heiß und dann, wenn der Wind auffrischte, doch wieder kalt. Ich hatte das Baby in der Trage, den Rucksack auf dem Rücken, den Einkaufsbeutel geschultert. Mir war warm, ich war müde und ich wollte nach Hause. Das Herzmädchen hüpfte derweil mit ihrem Brötchen in der Hand über den Parkweg und sang lauthals das Pippi Langstrumpf Lied. In diesem Moment hatte ich für dieses wahnsinnig süße Bild, ein kleines Mädchen mit wilden blonden Wuschelhaaren, mit Ringelstrumpi und langem Flatterkleid, das fröhlich hüpfend durch den Herbst tanzte, keinen Blick übrig. Plötzlich blieb sie stehen und guckte vor sich hin und ich sagte ihn, den Satz. „Los, komm, hör auf zu Träumen!“

Abends lag ich dann im Bett, der Tag war vorbei, Wäsche gefaltet, die Wohnung einigermaßen in Ordnung und beide Kinder schliefen. Und ich dachte nochmal über diese Situation nach. Was war da los gewesen? Ich war in dieser Situation nicht ich selbst. Ich sah weder mein Kind, noch hatte ich irgendeine Verbindung zu mir. Hätte ich einmal durchgeatmet und gespürt, was da gerade mit mir passierte, hätte ich vielleicht anders reagiert. Mir ging es einfach in dem Moment nicht gut. Ich war hungrig (das zuallererst), hatte schlecht geschlafen und war gestresst. Ich fühlte mich nicht wohl. Aber anstatt einmal durchzuatmen, mich hinzusetzen und einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen, hetzten wir nach Hause. Ja, warum eigentlich?

Ich hatte die Verantwortung für meine Laune auf mein Kind abgewälzt. Ich bin dafür verantwortlich, wie es mir geht, nicht mein Kind. Wenn ich Stress habe, ist das mein Problem, nicht das meines Kindes.

Natürlich lässt sich Stress nicht vermeiden und schon gar keine schlechte Laune. Das weiß unsere Dreieinhalbjährige am besten. Was hier unglaublich gut hilft ist dabei auch noch sehr einfach: Atmen! Einmal tief ein und tief aus. Und dann nochmal überprüfen, was wollte ich jetzt sagen? Warum muss das jetzt sein? Klar, klappt auch das nicht immer und manchmal kocht sie einfach hoch, die Wut. Aber auch das gehört zum Elternsein dazu und ist authentisch. Auch Eltern sind mal schlechter Laune, genauso wie unsere Kinder. Dazu gehört es dann aber auch zu sagen und zu zeigen, dass diese schlechte Laune nichts mit dem Kind zu tun hat. (Bei uns zuhause darf zum Beispiel auch geflucht werden, egal ob Kind oder Elternteil. Warum das so ist, schreibe ich bald)

In der Situation von oben, blieb ich stehen und sah mein Mädchen an und sagte „Weißt du, ich hab schrecklichen Hunger und bin sehr müde. Das, was ich gerade gesagt hab, war total blöd.“ Und das Mädchen? Sah mich ernst an, nickte verständig und sagte: „Mama, ist doch kein Problem. Ich schenk dir einen Lutschbonbon.“ In Ermanglung eines Bonbons (die verschenkt sie nämlich immer) teilten wir uns dann ihr Brötchen.

Deshalb, mein kleiner Herzmensch: Sing, so laut du kannst. Tanze durch die Straßen der Welt. Lache so, dass alle mitlachen müssen. Hüpfe über grauen Asphalt. Erinnere mich immer wieder daran, was wirklich wichtig ist. Und: Träume, was das Zeug hält!

Übrigens: Ich lese gerade das Buch „Von der Erziehung zur Einfühlung“ von Naomi Aldorts. Sehr hilfreich im Kleinkindalltag!

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3 Gedanken zu “Was ich nie wieder sagen will…

  1. Ulrike schreibt:

    Du liebende Mami! Was für ein Einblick gibst du mir damit! Sehr schön zu lesen, macht es mich dankbar, dass du diesen Moment so erkennen konntest..
    Ich freue mich, dich hier ein bisschen und vielleicht irgendwann wirklich kennenlernten! Vg

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  2. einwiezwei schreibt:

    Liebe Melanie, das ist wunderbar beschrieben. Und hat eine große Kraft. Ich bin so froh, dass unsere Wege sich im Fabel-Kurs gekreuzt haben… auch, wenn wir zuletzt kaum noch kommen konnten… wir haben einiges mitgenommen. Dem Hund geht es übrigens gut. Wenn auch jetzt bei einem anderen Menschen. Und uns geht es auch gut. liebe Grüße, Daria &Adi 😉

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